Die Bravo
Erfinder der Zeitschrift waren der Kolumnist Peter Boenisch und der Verleger Helmut Kindler. Die am 26. August 1956 im Münchener Kindler & Schiermeyer-Verlag erschienene Erstausgabe ‘Bravo – Zeitschrift für Film und Fernsehen’ kostete 50 Pfennig. Die Startauflage lag bei 30.000 Exemplaren (laut Pressesprecherin der Bravo). Das Heft 13/57 erschien am 31. März 1957 mit dem neuen Untertitel „Die Zeitschrift mit dem jungen Herzen“ und dem Zusatz „Film, Fernsehen, Schlager“, der aber bald verschwand. Ab Heft 34/57 (13. August 1957, 200.000 Exemplare) gab es keine Untertitel mehr. Bis Mitte 1959 erhöht sich die Anzahl der Exemplare auf 523.000 Stück.[1]
Seit 1968 erscheint sie jede Woche bei der Bauer Verlagsgruppe, die ihren Hauptsitz in Hamburg hat; Redaktionssitz ist aber in München. 1979 erreichte das Magazin eine Druckauflage von 1.830.700 Exemplaren. Noch 1996 wurden pro Ausgabe etwa 1,4 Millionen Hefte verkauft.[2] Danach sank die Auflage auf heute durchschnittlich 442.967 verkaufte Exemplare pro Ausgabe (Stand 2. Quartal 2008). [3]
Zielgruppe und klassische Rubriken [Bearbeiten]
Die Bravo behandelt Themen, die bevorzugt Jugendliche interessieren, darunter aktuelle Informationen über Stars aus der Musik- und Fernsehwelt, aber auch Beziehungs- und Sexualberatung.
Unter den Pseudonymen „Dr. Christoph Vollmer“ und „Dr. Kirsten Lindstroem” lieferte die damals 47-jährige Erfolgsautorin diverser Liebesromane Marie Louise Fischer mit den „aufsehenerregenden“ Serien Knigge für Verliebte und Liebe ohne Geheimnis erste Ratschläge in Beziehungsfragen.
Ab 1969 beantwortete Dr. Martin Goldstein (* 1927 in Bielefeld), Arzt, Psychotherapeut und Religionslehrer, unter dem von der Redaktion erdachten Pseudonym „Dr. Jochen Sommer“ die Fragen der Jugendlichen rund um deren Sexualität. Goldstein hatte sich mit den Publikationen Anders als bei Schmetterlingen und Lexikon der Aufklärung als Jugend-Aufklärer einen Namen gemacht, insbesondere, da er bis dato tabuisiertes Vokabular wie „Glied“ oder „Scheide“ verwendete. Für die speziell sexuellen Fragen schrieb er später als „Dr. Alexander Korff“, während „Dr. Sommer“ sich mehr den psychologischen Problemen widmete. 1984 beendete er seine Tätigkeit als „Dr. Sommer“. Heute lebt er in Kaarst bei Düsseldorf, wo er sich weiter als Autor betätigt.
Später im Jahre 1986 übernahm Diplom-Sozialpädagogin Margit Tetz die Aufgabe der Ressortleitung des Dr.-Sommer-Teams[4].
Seit Beginn der 1970er Jahre ist es eine ganze Gruppe, die die Fragen beantwortet. Dabei legt die Redaktion großen Wert darauf, dass in diesem „Dr.-Sommer-Team“ weiterhin Experten arbeiten, wie zum Beispiel Gynäkologen, Kinder- und Jugendärzte und Jugendpsychologen. In der Hochphase gingen wöchentlich zwischen 3000 und 5000 Briefe in der Redaktion zu Fragen der Pubertät und Sexualität ein, im Jahr 2006 waren es noch etwa 400 pro Woche.
Aufgrund der Sexualberatung wurden 1972 zwei Ausgaben mit Artikeln zum Thema Selbstbefriedigung indiziert, da man diese als jugendgefährdend einstufte.
Auffallend an der Sprache der Bravo ist die verstärkte Nutzung von Anglizismen bzw. „Denglisch“. Diese Entwicklung begann schon Mitte der 1980er Jahre (hielt sich zu dieser Zeit jedoch noch stark in Grenzen), und wurde nach und nach zu einem bestimmenden Stilelement.
Die Bravo war – vor allem in den 1970er und 1980er Jahren – prägend und Stil bildend für Generationen von Jugendlichen.[5] Das Heft wurde teilweise in Schulen von den Lehrern konfisziert. Viele heutige Erwachsene verdanken ihre sexuelle Aufklärung fast vollständig den Artikeln des Dr.-Sommer-Teams, die sie damals vielleicht noch als Jugendliche lasen.[6] In der DDR war das Magazin verboten.
Neben der Rubrik des Dr.-Sommer-Teams war eine frühe Erfindung der Bravo der so genannte Bravo-Starschnitt, bei dem man wie bei einem Puzzle die von Heft zu Heft erscheinenden einzeln auszuschneidenden Teile zusammenfügen konnte, um dann ein Poster des Stars in Lebensgröße zu erhalten – ein perfektes Mittel zur Leserbindung. Die erste Starschnitt-Aktion fand 1959 statt und war ein Poster von Brigitte Bardot.
Ursprünglich gab es nur eine Bravo-Zeitschrift, inzwischen haben sich aber verschiedene Bravo-Formate entwickelt. Dies ist auf eine stärkere Individualisierung zurückzuführen. Viele Leser wollen eine Zeitschrift, die auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Die Mitglieder der „Bravo Family“ (Bravo-Formate) sind:
Jugendzeitschriften wie die Bravo sind für die Musikindustrie als Werbeträger von großer Bedeutung. Durch Artikel können neue Künstler bekannt gemacht werden und Werbung ist in allen Bravo-Formaten zu finden.
Ab dem 16. Mai 1993 wurde die Sendung Bravo TV wöchentlich erst auf RTL 2 ausgestrahlt und später im ZDF. Die erste Moderatorin war Kristiane Backer, der Heike Makatsch folgte. Nach einer längeren Pause startete Bravo TV wieder am 5. November 2005 auf ProSieben.
Von der Zeitschrift wird in mehreren Kategorien der Preis „Bravo Otto“ verliehen, eine kleine Indianer-Statue. Optisch inspiriert ist dieser Preis von der berühmten Spielfilm-Figur Winnetou, verkörpert von Pierre Brice, der in seiner cineastischen Rolle jahrelang eng mit der Bravo verbunden war. Zu den Preisträgern gehörten bereits Pierre Brice (Winnetou), Inge Meysel mit elf Ottos, Manuela (Sängerin), Joachim Fuchsberger, Stefan Raab, David Hasselhoff, Mariah Carey, Boris Becker, Bro’Sis, Overground, Heike Makatsch, Horst Janson und viele mehr. Die meisten Ottos bisher (13 Stück) gingen an Bon Jovi, in der Rangliste gefolgt von Pierre Brice mit zwölf Ottos. Außerdem wählen die Leser wöchentlich die Bravo-Charts, die manchmal im Gegensatz zu den Verkaufscharts stehen und ein Gradmesser der Popularität der Künstler der jeweiligen Zeit sind und waren. Einen Überblick der jeweiligen Jahre geben die Bravo-Jahrescharts.
2006 wurde pünktlich zum Jubiläum ein Sammelband herausgegeben, der einen Überblick über die Sichtweise der Bravo auf die Welt in den letzten 50 Jahren bietet.
Kritischer mit der Bravo und ihrer Wirkung und Möglichkeiten setzt sich der Band 50 Jahre Bravo aus dem Archiv der Jugendkulturen auseinander, der bereits im Herbst 2005 erschien und in stark erweiterter Auflage im Dezember 2006 erneut auf den Markt kam.
Chefredakteur der Bravo ist Tom Junkersdorf.
Verhältnis zur Band Die Ärzte [Bearbeiten]
In der Zusammenarbeit mit der Deutschpunk-Band Die Ärzte kam es zu mehreren Konflikten. Als diese 1993 ihr Comeback feierte, bot sie der Bravo an, als erste Zeitung über das geplante Comeback zu berichten. Der damalige Chefredakteur Büchlmaier ließ verlauten, Die Ärzte „würden ihm am Arsch vorbei gehen“. [7] Die Bravo war deswegen drei Monate lang die einzige Zeitschrift, die nicht über Die Ärzte berichten konnte. Nach einer indirekten Entschuldigung kam es wieder zu einer Zusammenarbeit, doch schon 1998 begann die Bravo unter demselben Chefredakteur eine Schmutzkampagne gegen Die Ärzte, als diese mit ihrem Hit “Männer sind Schweine” in aller Munde waren. Grund war – laut Bandbiografie der Ärzte – der Groll, den Büchlmaier immer noch gegen die Band hegte. Die berichteten Geschichten, in denen Ärzte-Gitarrist Farin Urlaub als brutaler Schläger dargestellt und über sein Liebesleben hergezogen wurde, waren jedoch frei erfunden, wie sich schnell herausstellte. Die Verantwortlichen wurden daraufhin entlassen. Seit diesem Skandal gibt es bis heute keine Zusammenarbeit mehr zwischen Die Ärzte und der Bravo. Seit Büchlmaier abgelöst ist, hat sich die Situation wieder etwas entspannt.
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